1990: Im Gleichschritt zum Sieg: Volker Welzel und Alfons Struch

Claudia Metzner triumphiert in der Damenwertung

 

Der Silvesterlauf 1990 – ein Rennen mit furiosem Ende nach einem echten Drama auf der Strecke. So ungefähr ließe sich der 9. Lauf ins Neue Jahr von Werl nach Soest in ganz wenigen Worten zusammenfassen. Wäre da nicht diese klitzekleine Kleinigkeit, dieses winzige Detail, was man dabei vergessen hätte: die Sieger. Und genau die lieferten reichlich Diskussionsstoff zum Jahreswechsel. Zum ersten Mal in der Geschichte des Silvesterlaufes überquerten nämlich zwei Läufer gemeinsam die Ziellinie. Volker Welzel vom TV Wattenscheid und Alfons Struch von der LG Lage/Detmold durchliefen nach exakt 45 Minuten und 31 Sekunden die Lichtschranken auf dem Soester Marktplatz.

Ob das Ganze abgesprochen war, wollten sowohl Organisatoren als auch Presse bei der Siegerehrung wissen. Nach 15 zu absolvierenden Kilometern schließlich ein durchaus denkbares Szenario. Doch beide bestritten, dass der gemeinsame Zieleinlauf geplant war. „Wir wollten nicht Arm in Arm ins Ziel laufen“. Das begeisternde Finale sei vielmehr ein Produkt einer beiderseits ausgeklügelten Taktik. „Ich wollte auf die Tube drücken und eine frühzeitige Entscheidung suchen, damit es erst gar nicht zu einem Endspurt kommt“erklärte Alfons Struch sein Rezept.  Welzel dagegen setzte auf andere Qualitäten: „Im Gegensatz zu meinem Konkurrenten komme ich von der Mittel- und nicht von der Langstrecke. Daher wußte ich, dass ich in einem Finish Vorteile haben würde“. Über den unentschiedenen Ausgang war am Ende keiner böse: „Bemerkenswert war doch auch, dass überhaupt so viele Läufer starteten und dass uns die Zuschauer antrieben“, so die beiden Champions unisono.

So richtig auf keiner Siegerrechnung war dagegen die Siegerin bei den Damen vorher vertreten. Als die Dortmunderin Claudia Metzner (Teutonia Lanstrop) nach exakt 52 Minuten und vier Sekunden durch das Zielband auf dem Soester Marktlief, waren nicht nur Zuschauer sondern auch sie selbst ein wenig geplättet. Erst im Wintertraining hatte sich die damalige Medizin-Studentin dazu entschlossen, an Silvester ihren ersten wettbewerbsmäßigen Langstreckenlauf zu bewältigen. Zum größten europäischen Lauf an diesem Tag lockte vor allem die Atmosphäre. „Das war unterwegs schon toll, wie die Zuschauer einem zujubeln. Das hilft ungemein“, freute sich die Siegerin nach ihrem Triumphlauf.

Alle drei Sieger ließen sich traditionsgemäß auf dem Soester Marktplatz, der zum zweiten Mal den Zielpunkt bildete, gebührend feiern und schwärmten besonders über die tolle Unterstützung der Zuschauer auf der Strecke. Und es war tatsächlich gewaltig, was sich in diesem Jahr zwischen und in den beiden Städten abspielte. Mehrere tausend Zuschauer bereiteten im Herzen der Kreisstadt 3100 Läufern und 500 Wanderern, die am letzten Tag des Jahres in Werl an den Start gegangen waren, einen prächtigen Empfang. Die Begeisterung über den farbigen und frohen Lauf war auch entlang der Strecke groß. Insgesamt 15000 Zuschauer, so viele wie nie zuvor, trugen die Teilnehmer auf einer Welle der Sympathie bis ins Ziel. Rhythmisches Klatschen, Anfeuerungsrufe. Volksfeststimmung pur. Das spannendste Rennen, das der Silvesterlauf bis dato erlebt hatte, war übrigens in diesem Jahr vom damaligen Fußball-Nationalspieler Thomas Helmer von Borussia Dortmund gestartet worden, der das riesige Teilnehmerfeld mit seinem Startschuss in Werl auf die Strecke schickte.

Einen Superlativ verdiente sich Am Ende auch der Kassensturz. Mit knapp 70000 Mark aus Startgeldern und Spenden wurde der bis dahin größe Erlös der Silvesterlauf-Historie erzielt. Gefreut hat´s besonders die Mitglieder des Vereins zur Förderung der Westfälischen Schule für Blinde in Soest. Der gesamte Erlös sollte dem Bau eines blindengerechten Spielplatzes bzw. Schulhofes auf dem Gelände der Blindenschule am Hattroper Weg in Soest zu Gute kommen.

Die mit allen Silvesterläufen verbundenen sozialen Aspekte würdigten am Ziel auch Soests ehemaliger Bürgermeister Peter Brüseke und die frühere Landrätin Karin Sander. Auch sie hatte die gesamte Strecke zu Fußzurückgelegt. „Wenn das keine Sache ist, die die Bürger im Kreis Soest verbindet“, freute sich die Lippstädterin.

Insgesamt also eine rundum gelungene Veranstaltung, dieser 9. Silvesterlauf zwischen Werl und Soest. Und mit dieser Meinung standen die Organisatoren garantiert nicht alleine da.


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Warsteiner
Silvesterlauf 2009