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Wie alles begann

Beim Joggen im Wald kam die Idee zum Lauf Innerhalb von 6 Wochen wurde der erste Silvesterlauf organisiert

 

Viel erwarteten die Polen nicht von 1983: Die wirtschaftliche Lage war im Keller, den Bürgerinnen und Bürgern ging es schlecht. Tag für Tag wurden neue Schicksale bekannt. Schreckensmeldungen rissen nicht ab. Die Grundversorgung war fraglich. Den Kindern fehlte es an Nahrungsmitteln und Medikamenten. Die Situation im Land an der Weichsel war zu Beginn der 80er Jahre mehr als kritisch. Für 1983 waren die Prognosen nicht allzu rosig. Polen war auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen.

Grund genug auch für die WESTFALENPOST, sich an Hilfsaktionen zu beteiligen. Von der Zentralredaktion in Hagen wird die Spenden-Aktion „Polen braucht unsere Hilfe“ ins Leben gerufen. Und auch die Sportredaktion will nicht ganz untätig sein. Sportchef Horst F. Tuneke erinnert sich: „Irgendwie wollten wir auch etwas für die Polen-Hilfe organisieren und die Aktion unterstützen.“ Der erste kleine Startschuss für den heute größten Silvesterlauf Europas ist gefallen.

Beim Joggen irgendwo im Schwerter Wald kommt Tuneke dann die Idee eines „Laufes zu Gunsten der Polen-Hilfe“. Und auch die Strecke steht für ihn bereits fast fest: „Soest musste entweder Start oder Ziel sein“, erzählt der aus Soest stammende Sportredakteur mit einem Augenzwinkern. Schnell spricht er die drei Sportvereine der Gegend an. Die DJK GW Werl, Marathon Soest und der LC Soester Börde sind sofort dabei, auch der VfJ Lippborg springt auf das Silvesterlauf-Boot auf.

Die Idee ist geboren, jetzt gilt es binnen sechs Wochen  einen noch nie dagewesenen Spenden-Lauf aus dem Boden zu stampfen.

„Wir waren damals selbst ein wenig erschrocken über unseren Mut“, erinnert sich Tuneke an die Anfänge. Doch es läuft alles wie am Schnürchen. In der Soester WP-Redaktion wird das erste Silvesterlaufbüro eingerichtet. Sponsoren finden sich, die zum Beispiel ein kostenloses Konto einrichten oder Spenden organisieren.

Der Countdown bis zum ersten Silvesterlauf zwischen Werl und Soest läuft.

Fraglich nur, wie viele Läufer, den Weg in die Hellwegstädte finden. 500 Medaillen und Urkunden lässt Tuneke drucken und prägen. „Mehr als 300 Läuferinnen und Läufer kommen nie zu einer ersten Veranstaltung“, unken viele „Lauf-Experten“. 500 seien viel zu viel und sehr großzügig bemessen.

Doch die Experten werden eines besseren belehrt. 31. Dezember 1982, 13.30 Uhr: In Werl stehen exakt 575 Läuferinnen und Läufer an der Startlinie, als Außenverteidiger Lothar Huber von Borussia Dortmund den Startschuss abgibt. Manfred Schoeneberg aus Hamm und Lokalmatadorin Getrud Nau aus Werl laufen am schnellsten. Rennleiter Horst F. Tuneke ist mehr als zufrieden. Zwar darf er jetzt im Nachhinein noch gut 100 Urkunden und Medaillen nachdrucken lassen, doch besser als andersherum. Auch der Erlös kann sich sehen lassen: 9000 Mark werden zu Gunsten der Polen-Hilfe eingenommen. Ein Riesenerfolg.

Die Begeisterung ist da. Beim sogenannten „Malocherball“ wird die Veranstaltung noch einmal nachbetrachtet. Dass dieser Silvesterlauf einmalig war, aber nicht einmalig bleiben darf, ist schnell klar. Der Soester Stadtdirektor Helmut Holtgrewe ist dafür und auch die organisierenden Vereine sprechen sich für eine Wiederholung der Wohltätigkeitsveranstaltung aus. Eine längerfristige Zusammenarbeit im Sinne des guten Zweckes wird beschlossen.

31. Dezember 1983. 2. Jahr: Diesmal hat Tuneke 1000 Medaillen und Urkunden geordert. „Viele Leute dachten, ich hätte jedes normale Maß verloren“, amüsiert sich Tuneke, wenn er sich heute an die Anfänge erinnert.

Wieder waren zu wenig Auszeich-nungen vorhanden.

Mittlerweile hat sich der Silvesterlauf von Werl nach Soest zu einem echten Selbstläufer entwickelt. Zum 20. Geburtstag der Veranstaltung werden rund 6000 Läuferinnen und Läufer an der Stadthalle in Werl erwartet. Horst F. Tuneke als „Vater des Laufes“ kann mächtig stolz auf „sein Kind“ sein. Auch wenn er sich seit einigen Jahren aus der Hauptverantwortung zurückgezogen hat.


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Warsteiner
Silvesterlauf 2007